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Die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di und die Auslandsgesellschaft Sachsen-Anhalt e.V. (AGSA) haben im Rahmen der Antirassismuswochen online zum Info- und Austauschtreffen „Rassismus und Diskriminierung in Unternehmen“ eingeladen. Rund 30 Teilnehmende schalteten sich am 24. März dazu.


Sven Uebrig, Betriebsleiter Südhafen der Hermes Fulfilment GmbH, brachte die die Unternehmensperspektive ein. Der Standort Südhafen hat 4000 Beschäftigte und Beschäftigte aus diversen Herkunftsländern. Das Unternehmen leiste selbst Informations- und Aufklärungsarbeit und pflege eine offene und vertrauensvolle Unternehmenskultur, so Uebrig. Der Betrieb habe einen eigenen Integrationsbeauftragten, einen AGG-Beauftragten, arbeitet mit externen Beratungsstellen zusammen - in Kürze zum Beispiel noch enger mit der BEMA-Beratungsstelle von Arbeit und Leben. Hermes Fulfilment bietet Sprachkurse und Sprachpatenschaften an, fördert offensiv Diversität in Führungspositionen. Im Kampf gegen Diskriminierung dürfe nicht nachgelassen werden. „Schweigen hilft nicht“, sagte Uebrig.


Torsten Furgol, Landesfachbereichsleiter Handel ver.di (Bezirk Sachsen-Anhalt Nord) sagte, dass es wichtig sei, ausländischen Beschäftigten ihre Rechte zu vermitteln und deutlich zu machen, dass „Demokratie nicht vor dem Werkstor aufhört“.

Dzhemile Umerova von der Beratungsstelle BemA (Arbeit und Leben Sachsen-Anhalt) berichtete, dass es bei den häufigsten Fällen und Formen von Diskriminierung in ihrem Beratungsbereich um arbeitsrechtliche Themen gehe. So würden zum Beispiel von Arbeitgebern Arbeitszeitnachweise vorenthalten und Gehälter verspätet oder unterhalb des Mindestlohns gezahlt. Häufig werden auch Unwissenheit und Sprachbarrieren arbeitgeberseitig ausgenutzt, so dass Beschäftigte unwissentlich auf Lohn, Urlaub, Pausen etc. verzichteten.


BemA setzt an der Arbeitnehmer-Seite, das 2021 gestartete AGSA-Projekt DiAA (Demokratie in Arbeit und Ausbildung) auf der Arbeitgeberseite:
Mitarbeiterin Mareike Schwarz erläuterte die Herausforderungen in strukturschwachen und ländlichen Regionen Sachsen-Anhalts. 85 % der Unternehmen hätten weniger als 9 Mitarbeiter. Die meisten haben keinen Betriebsrat oder eine Beschwerdestelle, wie durch §§ 13 Abs. 1 Satz 1, 12 Abs. 5 AGG vorgesehen. Die Mitarbeitenden hätten oft mehrere Funktionen in einer Person auszufüllen oder seien nicht geschult, um eine solche Vertrauensfunktion auszufüllen.

Janine Weidanz (Leiterin Antidiskriminierungsstelle des Landes Sachsen-Anhalt bei der Halleschen Jugendwerkstatt gGmbH) berichtete, dass ein Viertel der gemeldeten Fälle aus dem betrieblichen Kontext käme. Ein Drittel davon aufgrund von Rassismus. Fehlendes Wissen über das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz sei immer noch eine Herausforderung. Wichtig sei die präventive Arbeit im Unternehmen: eine offene Kommunikation, in der sich die Mitarbeitenden trauen, über Vorfälle von Rassismus und Diskriminierung zu sprechen sowie eine geschulte und sensibilisierte Geschäfts- und Personalführung. Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes unterstütze z.B. Arbeitgeber mit Informationen und Leitfäden zur Handhabung solcher Situationen oder zur Vermeidung von Diskriminierung bei Stellenausschreibungen und Bewerbungsverfahren.

Die Teilnehmenden bedankten sich für den perspektivenreichen Austausch zwischen Unternehmensvertretung, Unternehmensbegleitung sowie gewerkschaftlicher und beratungsbezogener Arbeitnehmervertretung, freuen sich auf gute (weitere) Zusammenarbeit und ein neues Treffen.

Quellen:
Artikel Integrationsportal vom 24.03.2022
https://integrationsbeauftragte.sachsen-anhalt.de
Protokoll Gabriel Rücker
Moderationsnotizen: Manja Lorenz

Links:
https://www.agsa.de/team/integration.html#diaa
https://antidiskriminierungsstelle-sachsen-anhalt.de/
https://bema.arbeitundleben.org/
https://betriebliche-demokratiekompetenz.de/projekt/diaa-demokratie-in-arbeit-und-ausbildung/
https://www.hermesworld.com/de/ueber-uns/hermes-gruppe/hermes-fulfilment/hermes-fulfilment/
https://sachsen-anhalt-nord.verdi.de/