30 Jahre einewelt haus Magdeburg: Ein Jubiläum zwischen Dankbarkeit, Vielfalt und Sorge um die Zukunft
30 Jahre einewelt haus Magdeburg: Ein Jubiläum zwischen Dankbarkeit, Vielfalt und Sorge um die Zukunft
30 Jahre Begegnung, internationale Zusammenarbeit und zivilgesellschaftliches Engagement: Am 26. September 2026 feierten die Auslandsgesellschaft Sachsen-Anhalt e. V. (AGSA), ihre Mitgliedsorganisationen, Partner*innen und zahlreiche Gäste das 30-jährige Jubiläum des einewelt haus Magdeburg.
Von 14 bis 19 Uhr wurde die Schellingstraße zu einem lebendigen Treffpunkt mit Musik, Gesprächen, Mitmachangeboten, internationalen Vereinen und vielen Erinnerungen an drei Jahrzehnte gemeinsamer Arbeit. Das Jubiläumsfest fand zugleich im Rahmen der Interkulturellen Woche Magdeburg statt.
Doch über dem Fest lag auch eine Frage, die an diesem Nachmittag immer wieder zur Sprache kam: Wie geht es mit dem einewelt haus nach 2026 weiter?
30 Jahre, die von Menschen getragen werden
Seit 1996 ist das einewelt haus ein Ort, an dem internationale Beziehungen, Integration, Bildung, Kultur und gesellschaftliche Teilhabe zusammenkommen. Die AGSA betreibt das Haus im Landesauftrag und organisiert hier gemeinsam mit heute mehr als 50 Mitgliedsorganisationen Begegnungen, Projekte, Beratungsangebote und Veranstaltungen.
Das Jubiläum gehörte deshalb vor allem den Menschen, die diesen Ort seit drei Jahrzehnten mit Leben füllen: ehrenamtlich Engagierten, Vereinen, Mitarbeiter*innen, Kooperationspartner*innen und Besucher*innen.
AGSA-Geschäftsführer Krzysztof Blau und Vorstandsvorsitzender Dennis Butewitz eröffneten das Fest. In den anschließenden Grußworten wurde deutlich, welche Bedeutung das Haus inzwischen weit über Magdeburg hinaus hat.
Die Integrationsbeauftragte des Landes Sachsen-Anhalt und Staatssekretärin Susi Möbbeck würdigte das einewelt haus als einen Ort mit landesweiter und internationaler Ausstrahlung. Die Europaabgeordnete Alexandra Mehnert machte deutlich, dass mit dem Haus auch ein Stück gelebtes Europa verloren ginge. Klaus Wegener, Präsident der Auslandsgesellschaft.de aus Dortmund, erinnerte an die Bedeutung des Hauses für internationale Verständigung und betonte, dass diese Arbeit künftig eher noch wichtiger werde.
Auch Vertreter*innen der AGSA-Mitgliedsorganisationen blickten auf ihre Arbeit im Haus zurück und machten deutlich, wie eng ihre eigene Entwicklung mit diesem Ort verbunden ist.
Die Vielfalt des Hauses auf einer Bühne
Wie international und vielfältig das einewelt haus ist, zeigte sich anschließend im Programm.
Die Tanzgruppe „Bulgarische Rose“ der Deutsch-Bulgarischen Soziokulturellen Vereinigung eröffnete den kulturellen Teil. Es folgten Tanz-, Gesangs- und Klavierbeiträge, unter anderem von SKV Meridian e. V., der Musikschule „Kunst ohne Grenzen“ und dem Internationalen Zentrum Harmonia e. V.
Später sorgte die Rock-Coverband The Sharks von Meridian e. V. für Stimmung auf dem Hof, bevor der Frauenchor „My s Ukrainy“ den musikalischen Abschluss gestaltete. Durch das Programm führte Amidou Traore von Afrika e. V.
Auch abseits der Bühne wurde das Haus selbst Teil des Festes: Vereine und Initiativen luden zum kreativen Malen, zu Spiel- und Bewegungsangeboten, Robotik, Fotoshootings und Mitmachaktionen ein. Der Offene Kanal Magdeburg richtete eine Video-Speakers-Corner ein, Otto pflanzt informierte über Stadtgrün und Beteiligungsprojekte, und im Weltladen gab es faire Produkte, Snacks und Getränke.
So wurde an diesem Nachmittag sichtbar, was das einewelt haus seit 30 Jahren ausmacht: Viele unterschiedliche Organisationen gestalten gemeinsam einen Ort, an dem Begegnung nicht nur ein Schlagwort ist, sondern Alltag.
Jubiläum mit ungewisser Zukunft
So groß die Freude über 30 Jahre erfolgreiche Arbeit war, so deutlich war zugleich die Sorge um die Zukunft.
Für das Jahr 2027 gibt es bislang keine gesicherte institutionelle Finanzierung für den Betrieb des Hauses und die Arbeit der AGSA. Ohne eine verlässliche Übergangslösung drohen bereits zum Jahreswechsel erhebliche Konsequenzen.
Krzysztof Blau machte im Vorfeld des Jubiläums gegenüber der Volksstimme deutlich, was auf dem Spiel steht:
„Wir haben hier in 30 Jahren einen Ort aufgebaut, der heute weit über Sachsen-Anhalt hinaus bekannt und national wie international vernetzt ist.“
Eine spätere Förderentscheidung könne verlorene Mitarbeiter*innen, gekündigte Verträge oder zerstörtes Vertrauen nicht einfach wiederherstellen.
Damit stand beim Jubiläum nicht nur der Rückblick im Mittelpunkt. Es ging ebenso um die Frage, ob diese über drei Jahrzehnte gewachsene Infrastruktur erhalten bleibt.
Mehr als ein Gebäude
Das einewelt haus ist nicht allein Sitz der AGSA. Es ist Arbeitsort, Vereinsadresse, Veranstaltungsraum, Beratungsstelle, Treffpunkt und Netzwerk zugleich.
Hier finden Menschen Unterstützung und Orientierung. Vereine organisieren Kultur- und Bildungsangebote. Internationale Partnerschaften werden gepflegt. Menschen mit unterschiedlichen Sprachen, Biografien und Erfahrungen begegnen sich.
Dass auch die New York Times das Haus wenige Tage zuvor als „a beacon for migrants“ – einen Leuchtturm für Migrant*innen – bezeichnete, zeigt, welche Bedeutung dieser Ort inzwischen auch über Sachsen-Anhalt hinaus hat.
Sein Verlust würde deshalb nicht nur eine Organisation treffen. Er würde zahlreiche ehrenamtlich getragene Vereine, Initiativen, internationale Netzwerke und Menschen betreffen, die das Haus nutzen und mitgestalten.
30 Jahre – und hoffentlich viele weitere
Das Jubiläumsfest war deshalb beides: ein stolzer Rückblick auf das gemeinsam Erreichte und ein deutliches Zeichen dafür, dass diese Arbeit eine Zukunft braucht.
Wir danken allen Mitgliedsorganisationen, Mitarbeiter*innen, Ehrenamtlichen, Kooperationspartner*innen und Wegbegleiter*innen, die das einewelt haus über drei Jahrzehnte geprägt haben. Ebenso danken wir allen Gästen, die am 26. September mit uns gefeiert, diskutiert und ihre Verbundenheit mit dem Haus gezeigt haben.
30 Jahre einewelt haus sind 30 Jahre gelebte internationale Zusammenarbeit, Vielfalt und gesellschaftlicher Zusammenhalt. Wir wollen, dass diese Geschichte weitergeht.
Engagement unterstützen
Viele der mehr als 50 Mitgliedsorganisationen der AGSA arbeiten überwiegend ehrenamtlich und sind auf verlässliche Strukturen angewiesen. Mit einer Spende an die AGSA können Begegnungs-, Bildungs- und Kulturangebote sowie kleinere Projekte und Aktivitäten der Vereine unterstützt werden.
Spendenkonto:
Auslandsgesellschaft Sachsen-Anhalt e. V.
Deutsche Bank
IBAN: DE89 8107 0000 0145 1525 04
Verwendungszweck: AGSA-Engagement
Jeder Beitrag ist zugleich ein Zeichen der Solidarität mit den Menschen, die sich für internationale Verständigung, Vielfalt und ein weltoffenes Sachsen-Anhalt engagieren.