Ein Rückblick auf vier Monate „Deutsch im Alltag“ mit Marina Günther
Seit April bereichert die ehemalige Lehrerin Marina Günther den Zirkel „Deutsch im Alltag“ der AGSA. Mit einem zusätzlichen wöchentlichen Termin sorgt sie dafür, dass noch mehr Menschen Unterstützung beim Deutschlernen erhalten. Die Motivation ist so riesig, dass der Zirkel sogar in den Sommerferien komplett durchgelaufen ist! Nach den ersten vier Monaten zieht sie eine beeindruckende Zwischenbilanz.
Ein starkes Netzwerk: Wer lernt hier mit wem?
Insgesamt 38 Teilnehmende haben das Angebot seit April besucht. Mittlerweile hat sich eine feste Kerngruppe von 15 Personen gebildet. Dazu kommen immer wieder flexible Gäste – zum Beispiel Teilnehmende, die im Schichtdienst arbeiten.
Die Gruppe lebt von ihrer Internationalität:
Die größte Gruppe bilden acht Teilnehmende aus Syrien und sechs Frauen aus der Ukraine.
Aktuell lernen Menschen aus der Türkei, Korea, Venezuela, Ghana und Indonesien gemeinsam. Auch Teilnehmende aus Indien, Benin, Litauen und Algerien bereicherten schon die Runde.
Für viele steht neben dem Lernen das Pflegen sozialer Kontakte im Vordergrund. Andere überbrücken hier die Wartezeit auf den nächsten offiziellen Sprachkurs.
Von Alphabetisierung bis zum Studium
Im Zirkel treffen ganz unterschiedliche Lebens- und Bildungswege aufeinander. Genau diese Vielfalt macht den Austausch so lebendig:
- 1 Teilnehmerin lernt als Analphabetin gerade die ersten Grundlagen im Lesen und Schreiben.
- 10 Teilnehmende haben eine 9- bis 10-jährige Schulausbildung.
- 6 Teilnehmende bringen eine abgeschlossene Berufsausbildung mit.
- 4 Personen haben das Abitur in der Tasche.
- 3 Akademiker/innen haben studiert – zwei davon in Deutschland auf Englisch.
Aus der Praxis für den Alltag: Die Themen
„Mir sind Satzbau, Phonetik und Intonation besonders wichtig“, erklärt Marina Günther. Ihr Ziel: Die Teilnehmenden fit zu machen, damit man ihnen im deutschen Alltag gerne und problemlos zuhört. Neben Grammatikübungen bestimmen die Lernenden die Themen selbst.
Das stand bisher auf dem Plan:
- Feste & Bräuche: Feiertage und Traditionen (wird laufend fortgesetzt)
- Leben in Deutschland: Essen und Kochen, Natur, Umwelt und die Jahreszeiten
- Schwerpunkt Gesundheit: Vorbereitung auf den Arztbesuch, das Fachärztesystem, die Befreiung von Zuzahlungen und Kassenleistungen (wegen des großen Interesses verlängert!)
- Gesellschaft: Ein Austausch zum Thema „Typisch Mann, typisch Frau“
Wie groß der Lerneifer ist, zeigt sich auch nach dem Kurs: Viele Teilnehmende fragen regelmäßig nach zusätzlichen Aufgaben für zu Hause.
Unser Fazit
Der Bedarf und das Interesse sind riesig! Das lockere, praxisnahe Format von „Deutsch im Alltag“ verbindet Sprache mit echter Lebenshilfe und sozialem Anschluss. Ein tolles Projekt, das wir unbedingt fortsetzen werden.
Hintergrund
"Deutsch im Alltag" wurde im Rahmen des Bundesfreiwilligendienstes bei der Auslandsgesellschaft Sachsen-Anhalt e.V. (AGSA) entwickelt und aufgrund der hohen Nachfrage darüberhinaus fortgesetzt. Es wird durch das AGSA-Projekt "Interkultur" mit finanzieller Unterstützung durch das Land Sachsen-Anhalt und die Stadt Magdeburg umgesetzt.
Wichtig: Es handelt sich um ein freiwilliges Angebot mit ehrenamtlichen Zirkelleiterinnen. Auch die Teilnahme daran ist freiwillig. Daher stellen wir in der Regel auch keine Teilnahmebescheinigungen für Ämter aus.
Termine und Kontakt
"Deutsch im Alltag" wird montags (von Marina Günther) und mittwochs (von Bianka Mopita) jeweils 10.30 - 12.00 Uhr im einewelt haus Magdeburg angeboten.
Meldet euch bei Interesse gern unter ewh@agsa.de.
Weitere Informationen: