Neues AGSA-Mitglied im Gespräch: AFRIKA e.V.
Neues AGSA-Mitglied im Gespräch: AFRIKA e.V.
Mit AFRIKA e.V. begrüßt die Auslandsgesellschaft Sachsen-Anhalt ein neues Mitglied in ihrem Netzwerk. Der Verein wurde erst vor Kurzem gegründet, geht jedoch aus einer bereits länger bestehenden Initiative hervor. Menschen afrikanischer Herkunft, Afro-Deutsche sowie Unterstützer*innen haben sich in Magdeburg zusammengeschlossen, um kulturellen Austausch, gegenseitige Unterstützung und gleichberechtigte Teilhabe zu fördern.
Für die AGSA sprach Gabriel Rücker mit Amidou Traore, dem Vorsitzenden von AFRIKA e.V., über den Weg von der Initiative zum Verein, über Erfahrungen der afrikanischen Community in Magdeburg und darüber, warum Vernetzung gerade für junge Vereine so wichtig ist.
Amidou, AFRIKA e.V. ist noch ein junger Verein. Welche Idee steht hinter der Gründung?
AFRIKA e.V. ist ein Zusammenschluss von Menschen afrikanischer Herkunft, Afro-Deutschen sowie Unterstützerinnen und Unterstützern in Magdeburg. Gemeinsam setzen wir uns für ein respektvolles Miteinander, interkulturellen Austausch und die gleichberechtigte Teilhabe aller Menschen am gesellschaftlichen Leben ein.
Unsere Vision ist eine offene, vielfältige und solidarische Gesellschaft, in der Menschen unabhängig von ihrer Herkunft die gleichen Chancen haben und einander mit Respekt begegnen.
Um dieses Ziel zu erreichen, möchten wir in Magdeburg den Austausch zwischen verschiedenen Kulturen fördern, kulturelle Vielfalt stärken und soziale Integration unterstützen. Darüber hinaus setzen wir uns für Bildung und Chancengleichheit ein, vertreten die Interessen von Menschen afrikanischer Herkunft und Afro-Deutschen und engagieren uns gegen Diskriminierung und Vorurteile.
Bevor AFRIKA e.V. ein eingetragener Verein wurde, gab es bereits eine Initiative. Wie hat alles angefangen?
Am Anfang waren wir eine Initiative. Wir trafen uns regelmäßig, um afrikanische Kultur durch verschiedene Veranstaltungen sichtbar zu machen und den Austausch innerhalb der Community sowie mit der Stadtgesellschaft zu fördern. Gleichzeitig unterstützten Menschen, die bereits länger in Deutschland lebten, neu angekommene Personen bei ihren ersten Schritten in Magdeburg – zum Beispiel bei Behördengängen oder anderen alltäglichen Herausforderungen.
Vor einigen Jahren wurde uns bewusst gemacht, dass es in Magdeburg kaum afrikanische eingetragene Vereine gibt. Mit Unterstützung von Herrn Abdoul Coulibaly entschieden wir uns deshalb, aus der Initiative heraus einen eingetragenen Verein zu gründen.
Durch die wertvolle Beratung des Resonanzboden – House of Resources Magdeburg und die Unterstützung der AGSA e.V. konnten wir die notwendigen Schritte erfolgreich umsetzen und schließlich als eingetragener Verein anerkannt werden. Die Gründung war für uns ein wichtiger Schritt, um rechtliche Anerkennung zu erhalten, Zugang zu Fördermitteln zu bekommen, Projekte und Kooperationen verlässlicher umzusetzen und unsere Zielgruppen langfristig und nachhaltig unterstützen zu können.
Was hat sich durch diesen Schritt verändert?
Die Vereinsgründung gibt unserer Arbeit eine verbindlichere Struktur. Zu Beginn traf sich eine kleine Gruppe engagierter Menschen, die ähnliche Ziele verfolgten. Gemeinsam entstanden erste Ideen für Veranstaltungen, Projekte und Unterstützungsangebote. Aus diesen regelmäßigen Treffen entwickelte sich nach und nach der Wunsch, der gemeinsamen Arbeit eine stabilere Grundlage zu geben.
Auch wenn AFRIKA e.V. als Verein noch jung ist, bringt er bereits viele Erfahrungen aus der vorherigen Initiative mit. Dieses ehrenamtliche Engagement bildet heute die Grundlage für unsere weitere Vereinsarbeit. Wir möchten unsere Aktivitäten nicht nur fortführen, sondern besser organisieren, sichtbarer machen und weiterentwickeln.
Wenn ihr auf die afrikanische Community in Magdeburg blickt: Welche Erfahrungen begegnen euch besonders häufig?
Die Erfahrungen der afrikanischen Community in Magdeburg sind sehr unterschiedlich. Einige Menschen fühlen sich hier wohl, haben Arbeit gefunden oder studieren. Andere sind noch nicht richtig angekommen. Sie müssen sich erst an das neue Umfeld, die Sprache und die Kultur gewöhnen und benötigen dabei Unterstützung und Begleitung.
Viele stehen außerdem vor Herausforderungen wie Sprachbarrieren, bürokratischen Hürden oder fehlenden Informationen. Manche erleben auch Vorurteile oder Diskriminierung im Alltag. Gleichzeitig erleben wir innerhalb der Community einen starken Zusammenhalt. Viele Menschen unterstützen sich gegenseitig, teilen ihre Erfahrungen und helfen neu angekommenen Menschen bei der Orientierung und Integration.
Genau hier möchte AFRIKA e.V. ansetzen: Wir möchten Orientierung geben, Menschen miteinander vernetzen und dazu beitragen, dass sich alle in Magdeburg willkommen fühlen. Vielfalt soll nicht als Problem gesehen werden, sondern als Bereicherung für die gesamte Stadtgesellschaft.
Ihr steht als Verein noch am Anfang, habt aber schon konkrete Pläne. Was möchtet ihr in den nächsten Monaten angehen?
In den nächsten Monaten möchten wir unsere Vereinsarbeit weiter aufbauen und mehr Menschen erreichen. Geplant sind Kulturveranstaltungen und Begegnungsfeste, darunter die AFRIKA NIGHT am 3. Oktober 2026 im Rahmen der Interkulturellen Wochen. Außerdem möchten wir Informations- und Bildungsangebote, Workshops, Seminare sowie Jugend- und Familienprojekte entwickeln.
Ein Schwerpunkt soll dabei auf Angeboten liegen, die afrikanische Perspektiven sichtbar und erlebbar machen – zum Beispiel durch Formate wie „Afrika entdecken und kennenlernen“ mit Themen wie Landkarten, Kindheit, Spiele, Geschichte, Musik, Kunst, Kultur und Essen.
Darüber hinaus möchten wir Beratungs- und Unterstützungsangebote weiterentwickeln und die Zusammenarbeit mit Schulen, Vereinen und anderen Institutionen stärken. Mit diesen Angeboten wollen wir den interkulturellen Austausch fördern, Menschen bei ihrer Integration unterstützen, Bildung und Chancengleichheit stärken sowie Vorurteile und Diskriminierung abbauen.
Langfristig möchten wir ein verlässlicher Ansprechpartner für die afrikanische Community in Magdeburg sein und zu einer offenen, vielfältigen und solidarischen Gesellschaft beitragen.
AFRIKA e.V. ist direkt Mitglied der AGSA geworden. Warum war euch dieser Schritt wichtig?
Die AGSA e.V. ist ein wichtiges Netzwerk für Integration und interkulturelle Zusammenarbeit in Magdeburg und Sachsen-Anhalt. Für uns war es deshalb naheliegend, direkt Mitglied zu werden.
Die AGSA unterstützt Vereine mit Beratung, Vernetzung und gemeinsamen Projekten. Durch die Mitgliedschaft können wir unsere Arbeit von Beginn an gut entwickeln, Erfahrungen mit anderen Vereinen austauschen und gemeinsam mehr für die Menschen in Magdeburg erreichen. Wir freuen uns, Teil dieses starken Netzwerks zu sein.
Was wünscht ihr euch von der Stadtgesellschaft in Magdeburg und von Sachsen-Anhalt?
Wir wünschen uns eine Gesellschaft, die von Respekt, Vielfalt, Solidarität, Gleichberechtigung, Menschenwürde und Demokratie geprägt ist. Jeder Mensch soll – unabhängig von seiner Herkunft – willkommen sein, die gleichen Chancen erhalten und aktiv am gesellschaftlichen Leben teilnehmen können.
Wir hoffen auf mehr Begegnungen zwischen den Kulturen, gegenseitiges Verständnis und ein starkes Miteinander. Von der Stadt Magdeburg und dem Land Sachsen-Anhalt wünschen wir uns weiterhin Unterstützung für Vereine und Initiativen, die sich für Integration, Bildung und interkulturellen Austausch einsetzen.
Gemeinsam können wir Vorurteile abbauen, den Zusammenhalt stärken und eine offene Gesellschaft schaffen, in der sich alle Menschen zu Hause fühlen.
Zum Schluss: Wie soll die Arbeit von AFRIKA e.V. in Zukunft aussehen?
Wir möchten unsere Arbeit offen, transparent und gemeinschaftlich gestalten. Dabei stehen Respekt, Vielfalt, Solidarität, Gleichberechtigung, Menschenwürde und Demokratie im Mittelpunkt unseres Handelns.
Durch kulturelle Veranstaltungen, Bildungsangebote, Beratungen und gemeinsame Projekte möchten wir den interkulturellen Austausch fördern, Menschen bei ihrer Integration unterstützen und Begegnungen zwischen verschiedenen Kulturen schaffen. Außerdem möchten wir eng mit anderen Vereinen, Institutionen und Partnern zusammenarbeiten, um unsere Ziele gemeinsam zu erreichen und einen positiven Beitrag für die Stadt Magdeburg zu leisten.
AFRIKA e.V. zeigt, wie aus ehrenamtlichem Engagement, gegenseitiger Unterstützung und dem Wunsch nach Sichtbarkeit ein neuer Verein entstehen kann. Auch wenn AFRIKA e.V. als eingetragener Verein noch am Anfang steht, bringt er wichtige Erfahrungen, Perspektiven und Ideen in die Stadtgesellschaft ein.
Die AGSA freut sich, AFRIKA e.V. als neues Mitglied willkommen zu heißen und den jungen Verein auf seinem weiteren Weg zu begleiten. Gemeinsam wollen wir neue Impulse für Teilhabe, Vielfalt und interkulturellen Dialog in Magdeburg und Sachsen-Anhalt setzen.