Gelungener Start der neuen Veranstaltungsreihe: Das erste Stadtgespräch in Halberstadt
Im Gleimhaus diskutierten Oberbürgermeister Daniel Szarata, Manuel Rost (Trainer Germania Halberstadt), Unternehmerin Katy Löwe sowie AGSA-Geschäftsführer Krzysztof Blau über aktuelle Herausforderungen für Integration und gesellschaftlichen Zusammenhalt. Moderiert wurde der Abend von Georg Bandarau.
Beim ersten „Stadtgespräch“ von AGSA und der Stadt Halberstadt standen konkrete integrationspolitische Herausforderungen im Mittelpunkt. Diskutiert wurde im Gleimhaus Halberstadt über die geplanten Kürzungen bei Integrations- und Sprachkursen, über Sprachbarrieren im Alltag sowie über die strukturellen Folgen für gesellschaftliche Teilhabe.
Oberbürgermeister Daniel Szarata bezeichnete Halberstadt als weltoffene Stadt mit einer engagierten Zivilgesellschaft. Als sichtbares Zeichen verwies er unter anderem auf die internationale Besetzung des Harzer Theaters. Offenheit sei in Halberstadt gelebte Praxis, müsse jedoch aktiv erhalten werden.
Ein zentraler Diskussionspunkt war die Rolle von Sprache für Integration. Unternehmerin Katy Löwe schilderte die Situation aus betrieblicher Perspektive: Viele Unternehmen stünden vor dem Problem, internationale Fachkräfte nur eingeschränkt einsetzen zu können. Einerseits fehlten in manchen Betrieben ausreichende Fremdsprachenkenntnisse, andererseits verfügten neu zugewanderte Arbeitskräfte häufig noch nicht über ausreichende Deutschkenntnisse. Das erschwere die Integration in Arbeitsprozesse erheblich.
Vor diesem Hintergrund wurde auch die Idee diskutiert, Englisch perspektivisch als zweite Amtssprache zu etablieren. Oberbürgermeister Szarata und Manuel Roß sprachen sich dagegen aus. Es sei insbesondere älteren Generationen nicht zuzumuten, zusätzliche Sprachanforderungen zu erfüllen. Zudem bestehe die Gefahr, dass die Motivation zum Deutschlernen sinke. Gerade im ländlichen Raum könnten fehlende Englischkenntnisse zu einer weiteren strukturellen Benachteiligung führen. Deutschkenntnisse blieben aus ihrer Sicht eine zentrale Voraussetzung für nachhaltige Integration.
Manuel Roß betonte zugleich die integrative Kraft des Sports. Vereine schafften niedrigschwellige Begegnungsräume, in denen Herkunft und Sprache in den Hintergrund träten. Sport ermögliche unmittelbare Teilhabe und stärke Gemeinschaft unabhängig von formalen Voraussetzungen.
AGSA-Geschäftsführer Krzysztof Blau unterstrich die Bedeutung von Begegnung im Alltag. Integration gelinge dort, wo Normalität entstehe – in Nachbarschaften, Vereinen, Unternehmen und öffentlichen Räumen. Neben strukturellen Maßnahmen brauche es zudem mehr positive Erzählungen über gelungene Integration, um gesellschaftlichen Zusammenhalt sichtbar zu machen.
In der abschließenden Runde bestand Einigkeit darüber, dass Sachsen-Anhalt ein weltoffenes Bundesland ist. Gleichzeitig wurde betont, dass diese Offenheit nicht selbstverständlich ist. Sie lebt vom kontinuierlichen Engagement von Menschen, Vereinen, Unternehmen und Institutionen. Um die erreichten Fortschritte zu sichern, seien nicht nur politische Rahmenbedingungen entscheidend, sondern auch eine klare öffentliche Kommunikation: Es brauche positive Erzählungen darüber, was bereits gelungen ist – und darüber, wie viel im Land gut funktioniert.
Mit dem Format „Stadtgespräch“ möchten AGSA und der Stadtmarketingverein den öffentlichen Diskurs zur Weltoffenheit in Sachsen-Anhalt stärken. Regelmäßig trifft sich dazu ein moderiertes „Quartett“ aus Vertreterinnen und Vertretern der AGSA, aus Kommunal- und Landespolitik sowie Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Bildung und Kultur. Ziel ist es, Impulse für kommunales Handeln und gesellschaftliches Engagement zu setzen – im fachlichen Austausch ebenso wie durch persönliche Erfahrungen und gesellschaftspolitische Perspektiven. Die Teilnahme ist kostenfrei.
Das nächste Stadtgespräch findet am 19. März im einewelt haus Magdeburg statt. Melden Sie sich gern über stadtgespraech@agsa.de an.
Schauen Sie sich auch das Video vom Stadtgespräch am 29. Januar 2026 auf unserem YouTube-Kanal an: https://youtu.be/d1O_lQ7nIb0
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Bild: AGSA -
Bild: AGSA