Perspektivenwechsel im Verwaltungsalltag: Vielfaltsparcours in Dessau-Roßlau
Perspektivenwechsel im Verwaltungsalltag: Vielfaltsparcours in Dessau-Roßlau
Wie lassen sich Barrieren im Verwaltungsalltag erkennen – und wie können angehende Fachkräfte lernen, Behörden zugänglicher und teilhabeorientierter zu gestalten? Mit diesen Fragen beschäftigte sich der Vielfaltsparcours, den das IKOE-Projekt der Auslandsgesellschaft Sachsen-Anhalt e. V. (AGSA) gemeinsam mit dem Umweltbundesamt (UBA) und der Stadtverwaltung Dessau-Roßlau erneut durchgeführt hat.
Vom 28. bis 30. September 2026 nahmen Auszubildende, Studierende und Praktikantinnen an dem seit vielen Jahren erfolgreich erprobten Format teil. Ziel war es, das Bewusstsein für Diversität, Teilhabe, Barrierefreiheit und diskriminierungssensible Verwaltungspraxis zu stärken.
Theorie trifft gelebte Praxis
Der dreitägige Vielfaltsparcours verband fachliche Grundlagen mit praktischen Erfahrungen an unterschiedlichen Lernorten. Zu Beginn setzten sich die Teilnehmenden unter anderem mit Diversität, Inklusion, Chancengleichheit und Diskriminierung auseinander und reflektierten dabei auch die eigene Haltung.
Darauf aufbauend fand der praktische Parcours zunächst im Umweltbundesamt und an einem weiteren Tag in der Stadtverwaltung Dessau-Roßlau statt. Die verschiedenen Lernorte ermöglichten es, Barrieren direkt in realen Arbeits- und Behördenumgebungen wahrzunehmen und zu hinterfragen.
Lernen von Expertinnen in eigener Sache
Ein zentraler Bestandteil des Formats war der direkte Austausch mit Expertinnen in eigener Sache. Sie vermittelten Einblicke in ihre Lebensrealitäten und machten sichtbar, welche Hindernisse Menschen im Kontakt mit Behörden und öffentlichen Einrichtungen begegnen können.
Begleitet wurde der Vielfaltsparcours in diesem Jahr von Expertinnen des Blinden- und Sehbehindertenverbandes Sachsen-Anhalt, einem Mitglied des Beirates für Menschen mit Behinderung sowie einem Mitarbeiter des Umweltbundesamtes mit Migrationsgeschichte.
Damit wurden unterschiedliche Perspektiven zusammengeführt und die Frage in den Mittelpunkt gestellt, wie Verwaltungsstrukturen für möglichst viele Menschen zugänglich gestaltet werden können.
Barrieren selbst erfahren
Im Praxisteil ging es darum, Perspektiven nicht nur theoretisch nachzuvollziehen, sondern Barrieren unmittelbar zu erleben.
Die Teilnehmenden bewegten sich beispielsweise mit einem Rollstuhl durch Gebäude, navigierten mit simulierten Sehbehinderungen zu Sprechstunden oder setzten sich mit sprachlichen und bürokratischen Hürden auseinander, die Menschen mit Zuwanderungsgeschichte im Verwaltungsalltag begegnen können.
Diese Erfahrungen boten die Grundlage für eine intensive Reflexion: Welche Barrieren entstehen durch Gebäude, Sprache oder Verwaltungsabläufe? Wo können Verfahren verständlicher und zugänglicher gestaltet werden? Und wie lässt sich bereits bei der Planung von Angeboten stärker berücksichtigen, dass Bürgerinnen unterschiedliche Voraussetzungen und Bedürfnisse mitbringen?
Interkulturelle Öffnung beginnt im Arbeitsalltag
Der Vielfaltsparcours macht deutlich, dass eine diversitätsbewusste und inklusive Verwaltung nicht allein durch theoretisches Wissen entsteht. Entscheidend ist auch die Bereitschaft, Routinen zu hinterfragen, unterschiedliche Perspektiven einzubeziehen und Barrieren im eigenen Arbeitsumfeld wahrzunehmen.
Für die angehenden Fachkräfte bot das Format deshalb die Möglichkeit, bereits frühzeitig Handlungskompetenzen für einen Verwaltungsalltag zu entwickeln, der interkulturell offen, inklusiv und teilhabeorientiert gestaltet ist.
Mit dem Vielfaltsparcours schafft das IKOE-Projekt der AGSA gemeinsam mit seinen Kooperationspartnern einen praxisnahen Lernraum, in dem Perspektivwechsel nicht abstrakt bleibt, sondern unmittelbar erfahrbar wird.